Terpene sind natürliche Aromastoffe, die in vielen Pflanzen vorkommen und Cannabis sein charakteristisches Aroma verleihen. Für Patientinnen und Patienten in der Schmerzmedizin sind sie jedoch nicht nur für den Duft verantwortlich: Sie können die Wirkung von Cannabinoiden wie THC und CBD beeinflussen und therapeutisch ergänzen. Dieses Zusammenspiel wird häufig als „Entourage-Effekt“ bezeichnet. Das bedeutet, dass bestimmte Terpene die Wirkung von Cannabis verstärken, modulieren oder gezielter ausrichten können. Im Folgenden werden die wichtigsten Terpene vorgestellt, die in der Schmerztherapie eine bedeutende Rolle spielen.
1. Myrcen
Myrcen ist eines der am häufigsten vorkommenden Terpene in medizinischen Cannabisblüten. Es hat einen erdigen, leicht fruchtigen Duft und gilt für viele Patienten als hilfreich bei chronischen Schmerzen. Studien deuten darauf hin, dass Myrcen die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke erhöhen kann. Dadurch kann THC schneller wirken oder intensiver wahrgenommen werden. Viele Patienten berichten über eine muskelentspannende, beruhigende und leicht sedierende Wirkung. Besonders abends oder bei starken Muskelverspannungen kann Myrcen-haltiges Cannabis unterstützend wirken.
2. Limonen
Limonen verströmt einen frischen Zitrusduft und ist für seine stimmungsaufhellenden Eigenschaften bekannt. Für Patienten mit schmerzbedingten Erschöpfungszuständen oder depressiver Verstimmung kann es unterstützend sein. Es wirkt häufig aktivierend und fördert mentale Klarheit. Darüber hinaus wird Limonen eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, was es auch für entzündliche Schmerzerkrankungen interessant macht.
3. Linalool
Linalool ist hauptsächlich aus Lavendel bekannt und besitzt eine deutlich beruhigende Duftnote. Im medizinischen Bereich ist es besonders wertvoll, da es angstlösende sowie antikonvulsive (krampflösende) Eigenschaften hat. Für Cannabis-Patienten in der Schmerztherapie kann Linalool besonders nachts hilfreich sein, wenn Schmerzen das Einschlafen erschweren. Zudem wird es mit reduzierter Schmerzempfindlichkeit und muskelentspannenden Effekten in Verbindung gebracht.
4. Caryophyllen (β-Caryophyllen)
Dieses Terpen besitzt einen würzigen, leicht pfeffrigen Duft und wirkt direkt auf das körpereigene Endocannabinoid-System. Caryophyllen bindet an den CB2-Rezeptor, der vor allem im Immunsystem und im Bereich entzündlicher Prozesse aktiv ist. Dadurch kann es entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken, ohne psychoaktive Effekte hervorzurufen. Für Patienten mit chronischen Entzündungsschmerzen — etwa Arthrose oder neuropathischen Beschwerden — ist Caryophyllen besonders interessant.
5. Pinene
Pinene hat einen erfrischenden, waldigen Duft und wirkt leicht bronchienerweiternd. Patienten berichten oft über eine klare, fokussierte Wirkung, ohne dass die schmerzreduzierenden Eigenschaften verloren gehen. Pinene wird zudem eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben und kann dabei helfen, einige der vergesslichkeitsfördernden Effekte von THC etwas abzuschwächen.